Die Lebenswege der Honigbiene
Drei Leben.
Ein Volk.
Arbeiterin. Königin. Drohn.
Drei Leben. Eine Gemeinschaft.
Prolog · Das Bienenvolk
Etwas lebt im Dunkeln.
Im Dunkel eines Bienenstocks leben tausende Körper so eng beieinander, dass aus vielen Einzelnen etwas Eigenes entsteht.
Ein Volk.
Flügel bewegen die Luft. Muskeln halten die Brut warm. In den Waben liegt der Vorrat vergangener Blütentage. In den winzigen Eiern beginnt die nächste Generation.
Wer am Flugloch steht, sieht Bienen kommen und gehen. Eine landet schwer beladen. Eine andere hebt ab. Ein kurzer Kontakt der Fühler, dann verschwindet sie im Dunkeln. Von außen sehen viele dieser Leben gleich aus.
Doch eine wird arbeiten, bis ihre Kräfte schwinden. Eine wird die Zukunft Ei für Ei in die Zellen legen. Einer wird hinausfliegen, um sein Erbgut weiterzugeben, und im Augenblick einer erfolgreichen Paarung sterben.
Arbeiterin. Königin. Drohn.
Drei Körper. Drei Lebenswege.
Ein gemeinsames Leben.
Was ein Bienenvolk zusammenhält
Diese Geschichte erzählt vom Leben der Westlichen Honigbiene, Apis mellifera. Ein Volk umfasst normalerweise eine eierlegende Königin, viele tausend Arbeiterinnen und während der Fortpflanzungssaison auch Drohnen. Seine Größe verändert sich im Jahreslauf. Nicht jeder Stock enthält jederzeit zehntausende Tiere.
Die Ich-Stimmen sind ein erzählerisches Mittel. Sie beschreiben keine menschlichen Absichten oder Gefühle, die sich bei Bienen nachweisen ließen. Das Zusammenwirken entsteht durch Verhalten und biologische Signale: Duftstoffe, Berührungen, Nahrungsaustausch und Tänze.
Biologen sprechen von einem Superorganismus, weil Arbeitsteilung, gemeinsamer Wärmehaushalt und Fortpflanzung eng ineinandergreifen. Das einzelne Tier bleibt dabei ein eigenständiger Organismus. Auch das Volk ist verletzlich; sein Weiterleben ist keine Garantie.
Vertiefung: Aufbau eines Bienenvolkes.
01 · Die Arbeiterin
Bevor ich den
Himmel sehe.
Arbeiterin, geboren zum Dienst am Volk.
Mein Anfang passt in eine einzige Zelle.
Dort liegt ein winziges, weißes Ei. Aus ihm werde ich eine Larve, weich und hungrig, umgeben von Wärme. Immer wieder beugt sich eine meiner Schwestern zu mir. Sie prüft mich, versorgt mich, hält mich am Leben. Die Welt, die ich später sehen werde, ist noch weit weg.
Dann wird meine Zelle verschlossen. Unter dem Wachsdeckel verändert sich mein Körper. Beine, Fühler, Flügel. Nach ungefähr drei Wochen seit der Eiablage nage ich mich ins gemeinsame Dunkel.
Ich werde nicht alt. Ich werde gebraucht.
Meine ersten 21 Tage: Vom Ei zur Arbeiterin
Alle Entwicklungszeiten zählen hier ab der Eiablage. Eine Arbeiterin braucht typischerweise etwa 21 Tage bis zum Schlupf. Temperatur und andere Bedingungen können die Dauer beeinflussen.
- Tag 0–3 · Ei. Die Königin legt normalerweise ein befruchtetes Ei in eine Arbeiterinnenzelle. Nach etwa drei Tagen schlüpft die Larve.
- Etwa Tag 3–9 · Larve. Ammenbienen versorgen sie mit Futtersaft. Zusammensetzung und Menge verändern sich mit Alter und späterer Kaste; ältere Arbeiterinnenlarven erhalten auch Anteile aus Honig und Pollen. Das ist kein abrupter Wechsel von „Gelée royale“ zu unverarbeitetem Bienenbrot.
- Ab etwa Tag 9 · Verdeckelte Entwicklung. Nach dem Verschließen der Zelle folgen das Einspinnen, Vorpuppen- und Puppenstadium. Der Körper wird zum erwachsenen Insekt umgebaut.
- Um Tag 21 · Schlupf. Die Arbeiterin öffnet den Deckel mit ihren Mundwerkzeugen. Erst jetzt beginnt ihr Leben als erwachsene Biene.
Quellen und Einordnung: Brutentwicklung und Quellen der Geschichte.
Die Zukunft unter meinen Fühlern
Zuerst bleiben meine Wege kurz. Ich putze Zellen. Wo eben noch eine Biene heranwuchs, kann bald ein neues Ei liegen. Was wie eine kleine Arbeit aussieht, macht Platz für ein weiteres Leben.
Später stehe ich selbst vor den offenen Zellen. Die Larven brauchen Nahrung. In den Drüsen meines Kopfes entsteht Futtersaft. Was meine Schwestern mir gegeben haben, gebe ich nun weiter.
Auch eine künftige Königin ist auf diese Fürsorge angewiesen. Ihr Körper wird anders heranwachsen als meiner. Doch am Anfang hängt er an denselben kleinen Besuchen, an Nahrung, die jemand bringen muss.
Ich trage keine Krone. Aber ohne Arbeiterinnen wie mich könnte keine Königin entstehen.
Mit meinen Schwestern baue ich Waben. Winzige Wachsplättchen entstehen an meinem Hinterleib. Wir verarbeiten sie zu Wänden, so dünn, dass Licht hindurchscheinen kann, und zu sechseckigen Zellen, die Brut und Vorräte tragen.
Sammlerinnen bringen Nektar. Ich nehme ihn an, gebe ihn weiter. Enzyme verändern ihn, Wasser verdunstet. Langsam wird aus dem dünnen Blütensaft ein haltbarer Vorrat. Menschen nennen ihn Honig. Für uns ist er Energie für Tage, an denen draußen nichts zu finden ist.
Ich wärme Brut. Ich helfe, die Luft zu bewegen. Manchmal prüfe ich am Flugloch den Geruch einer Ankommenden. Die Grenze zwischen unserem Zuhause und der Außenwelt ist kaum breiter als mein Körper.
Die Aufgaben einer Arbeiterin: Ein beweglicher Lebenslauf
Junge Arbeiterinnen übernehmen häufig Reinigungs- und Pflegearbeiten. In den folgenden Wochen kommen unter anderem Brutpflege, Wachsproduktion, Wabenbau, Nektarverarbeitung und Bewachung hinzu. Viele beginnen mit etwa zwei bis drei Wochen Erwachsenenalter regelmäßig zu sammeln.
Das ist kein fester Dienstplan. Tätigkeiten überlappen, nicht jede Biene wird Wächterin oder Kundschafterin. Fehlen Sammlerinnen, können jüngere Bienen früher ausfliegen. Bei Bedarf können ältere Tiere wieder Brutpflege übernehmen.
Futtersaft entsteht vor allem in den Hypopharynx- und Mandibeldrüsen im Kopf. Für seine Produktion benötigen die Ammen Nährstoffe, insbesondere aus Pollen. Wachs wird von Drüsen an der Unterseite des Hinterleibs ausgeschieden. Wärme entsteht durch Muskelarbeit; fächelnde Bienen unterstützen die Belüftung. Wächterinnen prüfen ankommende Tiere und können fremde Bienen, Wespen oder Hornissen abwehren. Arbeiterinnen besitzen einen Stachel.
Auch Arbeiterinnen ruhen und schlafen. Schlaf unterstützt unter anderem die genaue Tanzkommunikation.
Jetzt kommt der Himmel.
Vor dem Eingang ist es hell. Ich hebe ab und drehe mich zum Stock zurück. Seine Lage, die Formen ringsum: Ich muss dieses kleine Stück Welt wiederfinden. Meine ersten Flüge führen noch nicht weit.
Dann liegt eine Blüte vor mir. Wind bewegt sie, während ich lande. Mein ganzes Gewicht hängt an wenigen Beinen. Ich nehme Nektar auf. Pollen bleibt an meinem Körper hängen; einen Teil streife ich zusammen und trage ihn an den Hinterbeinen heim.
Als ich regelmäßig zu sammeln beginne, habe ich bereits einen beträchtlichen Teil meines kurzen Erwachsenenlebens im Stock verbracht. Ich kenne die Dunkelheit länger als das Licht.
Jetzt fliege ich durch eine Welt aus Duft, Sonnenstand und wiedererkannten Wegen. Eine ergiebige Quelle nehme ich mit nach Hause: nicht nur als Last, sondern als Nachricht. Im Dunkeln tanze ich. Andere folgen meinen Bewegungen und können draußen finden, was ich gefunden habe.
Wie ich Wege finde, tanze und Vorräte sammle
Honigbienen nutzen unter anderem den Sonnenstand, polarisiertes Himmelslicht, gelernte Landschaftsmerkmale und Gerüche zur Orientierung. Ihr Zeitgefühl hilft dabei, den sich verändernden Sonnenstand zu berücksichtigen. Orientierungsflüge beginnen schon vor dem regelmäßigen Sammeln.
Beim Schwänzeltanz vermitteln Richtung und Dauer der Schwänzelphase Informationen über Richtung und Entfernung einer Quelle. Die Ausrichtung zur Schwerkraft auf der senkrechten Wabe entspricht draußen dem Winkel zur Sonne. Tanzintensität, Duft und Kontakte liefern weitere Hinweise auf das Angebot.
Sammlerinnen bringen Nektar, Pollen, Wasser oder Pflanzenharze. Die Harze werden für Propolis verwendet. Pollen ist eine wichtige Eiweißquelle; Honig liefert vor allem Kohlenhydrate. Die Bestäubung geschieht beim Blütenbesuch, wenn Pollen zwischen Blüten übertragen wird.
Wenn die alte Königin ein neues Haus braucht
Wenn unser Volk wächst und die Schwarmstimmung steigt, beginnt die größte Operation meines Lebens: Schwärmen. Die alte Königin verlässt mit einem Teil des Volkes den Stock. Aus Chaos wird ein Umzug mit zehntausenden Flügeln.
Für eine Weile sind wir ein Zuhause ohne Wände. Wir hängen als dichte Traube an einem Ast, die Königin zwischen uns. Unser altes Nest liegt hinter uns. Das neue ist noch nicht gefunden.
Ich kann dabei Kundschafterin sein. Ich suche Baumhöhlen, Hohlräume und geschützte Plätze. Ich prüfe Größe, Trockenheit, Eingang und Sicherheit. Ein Raum muss reichen für Waben, Vorräte und all die Leben, die erst noch entstehen.
Dann kehre ich zurück und tanze für meinen Fund. Andere Kundschafterinnen prüfen nach, stimmen zu und tanzen mit. Vielleicht werben sie zunächst für einen anderen Ort. Keine von uns kennt alle Möglichkeiten. Jede bringt nur den kleinen Teil der Welt mit, den sie selbst gesehen hat.
So entsteht eine Entscheidung ohne Chefetage: durch Schwarmintelligenz. Wenn genug von uns denselben Nistplatz geprüft haben, wird aus vielen einzelnen Flügen eine gemeinsame Richtung. Wir führen die alte Königin in ein neues Zuhause.
In diesem Moment bin ich nicht nur Biene. Ich bin Pfadfinderin, Maklerin und Umzugshelferin eines fliegenden Staates.
Lebensende und Vermächtnis
Draußen kann ein Regenschauer reichen. Kälte. Eine Spinne an einer Blüte. Ein Weg, für den meine Energie nicht mehr genügt. Auch im Stock ist das Leben nicht sicher: Parasiten, Krankheiten und fehlende Nahrung bedrohen uns.
Nach etwa sechs Wochen Sommerleben sind meine Flügel ausgefranst. Mein Körper ist verbraucht. Wege, die leicht waren, kosten mehr Kraft. Vielleicht kehre ich eines Tages nicht zurück. Kein Grab. Kein Denkmal. Nur ein Platz weniger im Summen.
Im Stock bleibt eine Zelle sauber, die ich geputzt habe. Eine Larve wächst weiter, die ich gefüttert habe. Ein wenig Vorrat liegt in einer Wabe, an der ich gebaut habe.
Niemand muss mein Verschwinden bemerken. Meine Arbeit ist noch da.
Menschen sehen oft nur das Glas Honig. Sie sehen nicht die 21 Tage bis zu meinem Schlupf, nicht den Futtersaft aus meinem Kopf, nicht die Tänze im Dunkeln und nicht die zerrissenen Flügel am Ende.
Ich bin klein genug, um übersehen zu werden.
Aber wichtig genug, dass ohne mich eine ganze Welt ärmer wäre.
Schwärmen, Gefahren und die langen Leben der Winterbienen
Schwärmen ist die natürliche Vermehrung eines Honigbienenvolkes. Häufig zieht die bisherige Königin mit einem Teil der Arbeiterinnen aus; im alten Nest wachsen junge Königinnen heran. Jahreszeit, Volksentwicklung, Raum und weitere Faktoren beeinflussen die Schwarmvorbereitung. Ein zu voller Stock allein erklärt sie nicht.
Kundschafterinnen werben durch Tänze für mögliche Nistplätze. Andere prüfen diese. Eine ausreichende Zahl von Kundschafterinnen an einem Ort trägt zur gemeinsamen Entscheidung bei. Die Königin wählt den neuen Wohnort nicht allein.
Sommerarbeiterinnen leben als erwachsene Tiere oft nur ungefähr vier bis sechs Wochen; die tatsächliche Dauer variiert. Winterbienen können mehrere Monate überleben. Ihre andere Physiologie und die geringere Sammelbelastung helfen dem Volk, die kalte Jahreszeit zu überstehen.
Wetter, darunter Kälte und Hitze, Hunger, Fressfeinde, Verkehr und bestimmte Pestizidbelastungen können Bienen gefährden. Im Volk sind insbesondere die Varroamilbe und mit ihr verbundene Virusinfektionen bedeutende Risiken. Bei Räuberei dringen andere Bienen in ein Volk ein, um Vorräte zu holen. Flügelverschleiß ist sichtbar, erklärt aber nicht allein jedes Lebensende.
02 · Die Königin
Ihr nennt mich
Königin.
Von der Larve im Überfluss zur Mutter eines ganzen Volkes.
Ich beginne wie jede andere Biene: als winziges Ei. Nicht größer, nicht goldener, nicht königlicher. Mein späteres Leben entsteht nicht durch eine besondere Sorte Ei, sondern durch die Art, wie ich als Larve gefüttert werde.
Auch meine Schwestern bekommen am Anfang Futtersaft. Doch ich werde kompromisslos anders versorgt: Gelée royale, reichlich, während meiner gesamten Larvenzeit. Die Menge und Zusammensetzung dieser Nahrung lenken meinen Körper auf einen anderen Weg. Die Zelle um mich ist geräumig und hängt nach unten.
Auch als erwachsene Königin versorgen mich die Arbeiterinnen meines Hofstaats weiter mit Futtersaft. Aus einer gewöhnlichen weiblichen Larve wird eine Königin, die ihr Leben lang von ihren Töchtern abhängig bleibt.
Mein Körper wird nicht für Sammelflüge gebaut. Er wird für Nachkommen gebaut. Ich werde größer, schwerer, langlebiger und fruchtbarer als meine Schwestern. Meine Aufgabe ist brutal einfach und zugleich gewaltig: Ich muss ein Volk in die Zukunft legen, Ei für Ei.
Nach ungefähr sechzehn Tagen seit der Eiablage öffne ich meinen Wachsdeckel. Noch bin ich keine Mutter. Noch ist mein Platz nicht sicher.
Wie aus einer Larve eine Königin wird
Arbeiterinnen und Königinnen entstehen normalerweise aus befruchteten Eiern. Die Ernährung während der frühen Larvenentwicklung lenkt die Ausbildung der beiden weiblichen Kasten. Menge, Zusammensetzung und Dauer der Fütterung wirken zusammen. Die künftige Königin entwickelt besonders große Eierstöcke und einen längeren Hinterleib als eine Arbeiterin.
Königinnenlarven erhalten während ihrer Larvenzeit reichlich Gelée royale. Auch erwachsene Königinnen werden normalerweise von Arbeiterinnen mit Drüsensekreten versorgt. Das bedeutet keine ununterbrochene Nahrungsaufnahme während der Puppenzeit.
- Etwa drei Tage im Ei. Danach schlüpft die Larve.
- Bis etwa Tag 8. Reichliche Fütterung; dann wird die Weiselzelle verschlossen.
- Bis ungefähr Tag 16. Vorpuppen- und Puppenentwicklung, anschließend Schlupf.
Beim Schwärmen werden besondere Weiselzellen angelegt. Geht eine Königin verloren, können Arbeiterinnen auch geeignete junge weibliche Larven aus gewöhnlichen Zellen zur Königinnenaufzucht verwenden und die Zellen erweitern.
Wenn mehrere junge Königinnen heranwachsen, beginnt ein Kampf um den Platz im alten Zuhause. Junge Königinnen töten ihre Rivalinnen, oft noch in deren Zellen. Treffen sie aufeinander, kämpfen sie bis zum Tod. Manche entkommen diesem Ende, indem sie mit einem Nachschwarm ausziehen. Mein erster Auftrag ist nicht Repräsentation. Mein erster Auftrag ist Überleben.
Ich muss hinaus. Dorthin, wo mich keine Waben schützen und meine Schwestern mich nicht umringen.
Mein kurzer Himmel
Ich lerne die Umgebung kennen. Dann fliege ich zur Begattung aus. Hoch über der vertrauten Erde treffe ich auf Drohnen. Meine Paarungen geschehen in der Luft, mit mehreren Männchen, manchmal auf mehreren Flügen.
Für die Drohnen, mit denen die Paarung gelingt, endet das Leben. Ich kehre zurück. In meinem Körper bleibt ein Vorrat, aus dem über Jahre neues Leben entstehen kann.
Es ist möglich, dass ich mich verirre. Dass ein Vogel mich fängt. Dass ich unzureichend begattet werde. Mein langes Leben beginnt mit wenigen Tagen, in denen alles verloren gehen kann.
Was beim Hochzeitsflug tatsächlich passiert
Eine junge Königin wird erst nach dem Schlupf geschlechtsreif. Begattungsflüge finden bei geeigneter Witterung meist in den ersten Lebenswochen statt. Ein fester Kalendertag würde Temperatur, Wetter und individuelle Entwicklung unterschlagen.
Sie paart sich normalerweise mit mehreren Drohnen aus verschiedenen Völkern. Ein Teil der aufgenommenen Spermien gelangt in die Spermatheka, die Samenblase, und kann dort über Jahre befruchtungsfähig bleiben. Nicht alle übertragenen Spermien werden gespeichert.
Nach erfolgreicher Begattung beginnt gewöhnlich innerhalb weniger Tage die Eiablage. Schlechtes Flugwetter kann den gesamten Ablauf verzögern. Mehrfachpaarung vergrößert die genetische Vielfalt unter den Arbeiterinnen eines Volkes; sie garantiert nicht, dass niemals verwandte Tiere aufeinandertreffen.
Ei für Ei
Eine Zelle. Ich senke meinen Kopf hinein und prüfe ihre Weite mit meinen Vorderbeinen. In einer kleinen Arbeiterinnenzelle gebe ich gewöhnlich Spermien zu dem Ei. In der größeren Drohnenzelle lasse ich es unbefruchtet. Dann wende ich mich und senke meinen Hinterleib hinein. Ein Ei bleibt zurück.
Dann die nächste.
Aus meinen befruchteten Eiern wachsen Arbeiterinnen heran oder, wenn sie entsprechend aufgezogen werden, neue Königinnen. Aus meinen unbefruchteten Eiern werden Drohnen.
An starken Tagen lege ich mehr als zweitausend Eier. Zusammen wiegen sie mehr als ich selbst. Im Lauf meines Lebens können Hunderttausende Nachkommen entstehen.
Aus meinem Körper sind tausende Nachkommen hervorgegangen. Nicht symbolisch, sondern buchstäblich. Ei für Ei, Wabe für Wabe, Generation für Generation. Tausende Töchter: Ammen, Baubienen, Wächterinnen, Sammlerinnen, Kundschafterinnen. Ich fliege nicht zu den Blüten, aber durch meine Töchter reicht mein Wirken über Kilometer in die Landschaft hinaus.
Doch keines meiner Eier wird allein durch mich zu einer erwachsenen Biene. Jemand muss eine Zelle bauen, Nahrung sammeln, eine Larve versorgen, Wärme halten. Was aus meinem Körper kommt, braucht ein ganzes Volk, um weiterzuleben.
Eiablage, Geschlechtsbestimmung und die Sprache der Düfte
Vor der Eiablage prüft die Königin die Zellweite, indem sie den Kopf hineinsteckt und die Vorderbeine verwendet. In den kleineren Arbeiterinnenzellen legt sie gewöhnlich befruchtete Eier, in den größeren Drohnenzellen unbefruchtete. Sie reguliert dafür die Freigabe von Spermien aus ihrer Samenblase. Auch Weiselzellen werden mit einem befruchteten Ei beziehungsweise einer jungen weiblichen Larve besetzt. Die Zellweite ist ein wichtiges Signal, kein menschlicher Planungsprozess und keine ausnahmslos fehlerfreie Steuerung.
Die einfache Regel hat biologische Ausnahmen: Bei bestimmten gleichen Varianten am Geschlechtsbestimmungsgen können auch aus befruchteten Eiern diploide männliche Larven entstehen. Arbeiterinnen entfernen sie meist früh. In königinnenlosen Völkern können Arbeiterinnen unbefruchtete Eier legen.
Eine leistungsfähige Königin kann in der Hochsaison mehr als 2.000 Eier täglich legen. Deren Gesamtmasse kann ihr eigenes Körpergewicht übersteigen. Das ist eine mögliche Spitzenleistung, kein Jahresdurchschnitt. Jahreszeit, Versorgung, Volksstärke und Zustand der Königin bestimmen die tatsächliche Leistung.
Königinnen geben mehrere Pheromone ab. Diese wirken unter anderem auf das Gefolge und die Fortpflanzungsphysiologie der Arbeiterinnen. Sie werden über Kontakte im Volk weitergegeben. Ein Duft ist weder ein Arbeitsbefehl noch eine Garantie für Gesundheit oder Schwarmfreiheit.
Getragen von meinen Töchtern
Meine Herrschaft ist kein Befehlssystem. Ich gebe keine Arbeitsanweisungen. Meine Duftstoffe tragen die Nachricht durch den Stock: Ich bin da. Meine Töchter spüren mich, pflegen mich, füttern mich und verbreiten meinen Duft durch ihre Kontakte.
Sie stehen um mich. Putzen mich. Ihre Fühler berühren meinen Körper. Sie wärmen und beschützen mich. Ohne sie bin ich ein einzelnes Insekt mit großem Hinterleib und kurzer Zukunft.
Das lebende Herz, das sie mitnehmen
Ich habe geholfen, ein neues Volk zu gründen. Wenn die Schwarmstimmung steigt, wird meine Eiablage reduziert. Meine Töchter füttern mich anders, mein Körper wird leichter und wieder flugfähiger. Schließlich verlasse ich mit tausenden Arbeiterinnen das alte Zuhause.
Ich bestimme nicht, welche Blüte besucht wird. Ich wähle nicht die neue Höhle. Kundschafterinnen suchen unseren neuen Wohnort. Ich bin das lebende Herz, das sie mitnehmen.
Ich habe überlebt, obwohl meine Stellung nie selbstverständlich ist. Wird meine Leistung schwächer, zieht das Volk eine Nachfolgerin heran. Eine Königin ist mächtig, aber niemals unantastbar.
Meine Eier werden weniger. Mein Vorrat reicht nicht ewig. Das gemeinsame Leben kann sich erneuern, während meines endet.
Menschen nennen mich Königin und stellen sich Krone, Macht und Befehle vor. Die Wahrheit ist anders. Ich bin kein Monarch im menschlichen Sinn. Ich bin ein lebendes Fortpflanzungsorgan des Volkes, getragen von Fürsorge, Duft und Erwartung.
Ich wurde nicht geboren, um frei zu sein.
Ich wurde geboren, um ein Volk zu werden.
Ein langes Leben, Schwärmen und eine mögliche Nachfolgerin
Königinnen können mehrere Jahre leben, werden aber oft früher ersetzt. Eine stille Umweiselung kann mit einer zeitweiligen Überlappung von alter und junger Königin einhergehen. „Ein Volk, immer genau eine Königin“ ist deshalb zu absolut.
Vor dem Auszug eines Vorschwarms verändern Arbeiterinnen unter anderem die Fütterung der bisherigen Königin. Ihre Eiablage und ihr Gewicht können abnehmen; sie wird wieder flugfähiger. Sie zieht mit einem Teil der Arbeiterinnen aus. Im zurückbleibenden Volk entwickelt sich eine Nachfolgerin.
Die Königin gründet kein Volk aus eigener Kraft. Sie benötigt die Arbeiterinnen für Wabenbau, Futter, Brutpflege und Wärme. Ihre Fortpflanzungsleistung ist außergewöhnlich, ihr Anteil bleibt Teil einer gemeinsamen Leistung.
03 · Der Drohn
Ein Augenblick
im offenen Himmel.
Geboren ohne Vater, geschaffen für eine Paarung mit tödlichem Ausgang.
Ich bin der, über den im Bienenvolk gern gelächelt wird: groß, rundlich, laut, ohne Stachel, ohne Pollenhöschen, ohne Honigkarriere. Ich putze keine Zellen, füttere keine Larven und verteidige kein Flugloch.
Aber wer mich nur für einen Mitesser hält, versteht das Bienenvolk nicht. Ich bin kein Arbeiter. Ich bin eine fliegende genetische Botschaft. Mein Auftrag ist nicht Alltag. Mein Auftrag ist Fortpflanzung.
Ich entstehe aus einem unbefruchteten Ei. Das heißt: Ich habe eine Mutter, aber keinen Vater. Meine Gene stammen direkt aus der Königin. Biologisch bin ich eine riskante, laute und energiehungrige Investition in die nächste Generation.
Meine Zelle ist größer als die meiner Schwestern. Ammen versorgen mich. Über mir wölbt sich später ein Wachsdeckel. Nach ungefähr vierundzwanzig Tagen seit der Eiablage nage ich mich frei. Noch ist mein Körper nicht bereit für die Begegnung, auf die er ausgerichtet ist.
24 Tage bis zum Drohn – und was „ohne Vater“ bedeutet
Ein gewöhnlicher Drohn entwickelt sich aus einem unbefruchteten Ei und trägt einen einfachen Chromosomensatz. Dieser stammt von seiner Mutter, ist aber durch die Bildung ihrer Eizellen neu zusammengestellt. Der Drohn ist kein Klon der Königin.
- Etwa drei Tage · Ei. Anschließend schlüpft die Larve.
- Bis etwa Tag 10 · Larve. Arbeiterinnen füttern sie. Die größere Drohnenzelle erhält einen deutlich gewölbten Deckel.
- Bis ungefähr Tag 24 · Verdeckelte Entwicklung. Es entstehen unter anderem Flugmuskeln, Flügel, große Facettenaugen und Fortpflanzungsorgane. Nach dem Schlupf muss der erwachsene Drohn noch heranreifen.
„Ohne Vater“ beschreibt den typischen haploiden Drohn dieser Erzählung. Seltene diploide Männchen aus befruchteten Eiern sind eine Ausnahme. Auch eierlegende Arbeiterinnen können Drohnen hervorbringen.
Zunächst bleibe ich im Schutz des Volkes. Mein Körper reift. Junge Drohnen werden von Arbeiterinnen gefüttert; später kann ich selbst Honig aus Zellen aufnehmen. Die Vorräte, die ich verbrauche, haben andere hereingetragen.
Dann beginne ich zu fliegen. Ich kehre wieder zurück. Fliege erneut. Mein Leben wartet nicht auf einen einzigen Ausflug, sondern auf eine Begegnung, die auf keinem meiner Flüge sicher ist.
Treffpunkt in der Luft
Es gibt Orte im Himmel, an denen Drohnen aus vielen Völkern zusammenkommen. Keine Wabe weist den Weg. Kein Schild markiert den Treffpunkt. Und doch versammeln wir uns dort, bei geeignetem Wetter, wieder und wieder.
Wenn eine junge Königin auftaucht, kommt Bewegung in die Luft. Mein Körper ist für diesen Moment gebaut. Meine großen Facettenaugen helfen mir, Königinnen im Flug zu erkennen. Meine Flugmuskeln tragen mich in die Luft. Mein Sinn ist nicht Überleben. Mein Sinn ist Trefferquote.
Viele fliegen. Nur wenige erreichen eine Königin. Die meisten von uns werden sich niemals paaren.
Drohnensammelplätze und ein Körper für die Suche
Drohnen unternehmen zunächst Orientierungsflüge. Die Geschlechtsreife erreichen sie häufig ungefähr in der zweiten Woche nach dem Schlupf; Alter, Ernährung und Bedingungen beeinflussen den Ablauf.
An Drohnensammelplätzen treffen Männchen aus zahlreichen Völkern zusammen. Gelände- und Horizontmerkmale spielen bei ihrer Orientierung eine Rolle. Nicht jede Einzelheit der Entstehung und Wiederauffindbarkeit solcher Plätze ist abschließend geklärt.
Große Facettenaugen, leistungsfähige Flugmuskeln und die Wahrnehmung von Königinnenpheromonen unterstützen die Suche. Drohnen besitzen keinen Stachel und keine für das Pollensammeln spezialisierten Körbchen wie Arbeiterinnen. Sie sammeln normalerweise weder Nektar noch Pollen oder Pflanzenharze für das Volk. Sie können Muskelwärme erzeugen, übernehmen aber nicht die umfassenden Pflege- und Sammelaufgaben der Arbeiterinnen.
Eine Paarung ist für den einzelnen Drohn unwahrscheinlich. Hier wird bewusst keine feste Erfolgsquote genannt: Sie hängt unter anderem von Ort, Zahl der Drohnen und Zahl begattungsbereiter Königinnen ab.
Meine größten Erfolge
Wenn ich mich erfolgreich mit einer Königin paare, endet mein Leben. Mein Begattungsorgan stülpt sich aus, die Trennung verletzt mich tödlich. Ich stürze ab und sterbe. Das klingt grausam. Für einen Drohn ist es der größtmögliche Erfolg.
Wenn ich erfolgreich bin, überlebe ich meinen Triumph nicht. Mein Tod ist kein Betriebsunfall. Er ist der Preis der Fortpflanzung. Während Arbeiterinnen sich für das Volk abarbeiten, zahle ich meinen Beitrag in einem einzigen Moment.
Was ich weitergebe, kann in ihrem Körper bleiben. Später kann es Teil neuer Arbeiterinnen werden. Sie werden Zellen putzen, Larven füttern, Waben bauen, hinausfliegen. In einem Volk, dessen Nest ich nie sehen werde.
Ich bin Teil der genetischen Strategie des Volkes. Ohne Drohnen keine Begattung. Ohne Begattung fehlen die befruchteten Eier, aus denen die nächsten Arbeiterinnen und Königinnen heranwachsen.
Ich verbinde Völker miteinander. Eine junge Königin paart sich draußen in der Luft mit Drohnen aus der Umgebung. So wird genetische Vielfalt in die nächste Generation getragen.
Warum die erfolgreiche Paarung tödlich endet
Bei der Paarung im Flug wird der Endophallus des Drohns ausgestülpt. Die Ejakulation und anschließende Trennung führen zu tödlichen Verletzungen. Teile des Begattungsapparats können als Begattungszeichen an der Königin verbleiben und bei weiteren Paarungen entfernt werden.
Der Tod des Drohns ist unmittelbar mit diesem mechanischen Paarungsvorgang verbunden.
Mehrfachpaarung mit Drohnen aus der Umgebung verbindet die genetischen Linien verschiedener Völker. Drohnensammelplätze und Flugweiten verringern die Wahrscheinlichkeit enger Verwandtenpaarungen, schließen sie aber nicht absolut aus.
Wenn der Sommer geht
Vielleicht bleibt diese Begegnung aus. Dann fliege ich weiter, solange Wetter und Kräfte es erlauben.
Und selbst wenn ich nie eine Königin erreiche, war ich nicht sinnlos. Meine Anwesenheit erzählt davon, dass unser Volk Kraft in Fortpflanzung investiert hat. Drohnen sind Luxus, Risiko und Zukunft in einem.
Im Frühjahr und Sommer werde ich geduldet, gefüttert und gebraucht. Doch wenn die Tracht nachlässt und der Winter näher rückt, verändert sich der Ton im Volk.
Dann beginnt die Drohnenschlacht. Arbeiterinnen treiben uns aus dem Stock, lassen uns nicht mehr an die Vorräte, zerren uns vom Flugloch weg. Für den Winter sind wir zu teuer. Wir sammeln nicht, wir versorgen keine Brut, und unsere Wärme ersetzt nicht die Arbeit der Winterbienen. Der Superorganismus rechnet kalt.
Wer nicht vorher beim Hochzeitsflug stirbt, endet oft draußen vor dem Stock. Verhungert, erschöpft, ausgeschlossen. Nicht aus Bosheit, sondern weil ein Bienenvolk überlebt, indem es keine Sentimentalität kennt.
Warum Drohnen aus dem Volk gedrängt werden
Die sogenannte Drohnenschlacht beginnt in vielen Völkern bereits im Spätsommer, bei Futtermangel auch früher. Arbeiterinnen füttern die Drohnen nicht mehr, verwehren ihnen Vorräte und treiben sie aus dem Nest; dabei können sie sie auch verletzen oder töten.
Das verringert den Verbrauch, wenn die Fortpflanzungssaison endet und Wintervorräte wichtiger werden. Das Verhalten wird durch die Bedingungen im Volk und das Nahrungsangebot beeinflusst. Das Bild des „kalt rechnenden“ Volkes beschreibt in der Erzählung diese harte Folge für den einzelnen Drohn; ein bewusstes Rechnen oder menschliches moralisches Urteil ist damit nicht gemeint.
Der Zeitpunkt ist nicht überall gleich. Königinnenlose Völker oder solche mit einer unbegatteten Königin können Drohnen länger behalten. Nicht alle Drohnen enden durch Vertreibung: Auch Fressfeinde, Krankheiten, Wetter und Erschöpfung begrenzen ihr Leben.
Vermächtnis
Menschen sehen in mir oft den Faulenzer des Stocks. Sie sehen den dicken Körper, den lauten Flug, den Appetit. Sie sehen nicht den biologischen Auftrag dahinter.
Ich bin die Wette des Volkes auf die Zukunft. Ich bin kein Sammler und kein Soldat. Ich bin ein fliegender Erbgutträger mit Ablaufdatum.
Mein Leben hat nur wenige mögliche Enden. Das härteste ist, ausgestoßen zu werden.
Das größte ist, im Flug zu sterben,
genau in dem Moment, in dem meine Gene weiterleben.
Epilog · Das Volk bleibt
Was von einem
Leben bleibt.
Die Arbeiterin kehrt eines Tages nicht zurück. Die Königin kann Jahre leben und wird doch irgendwann ersetzt. Der Drohn gibt sein Erbgut weiter oder sein Leben endet, ohne dass eine Paarung gelingt.
In der Wabe liegt inzwischen ein neues Ei.
Eine Amme beugt sich darüber. Eine Sammlerin kommt heim. Eine Biene nimmt ihr den Nektar ab. Die Arbeit geht von Körper zu Körper, von einer Generation zur nächsten.
Im Winter rücken die Arbeiterinnen zusammen. Mit ihren Muskeln erzeugen sie Wärme. Sie leben von den Vorräten, die andere mit angelegt haben. Keine von ihnen hat den ganzen Sommer gesammelt. Gemeinsam tragen sie ihn durch die Kälte.
Wenn die Bedingungen es erlauben, wächst wieder Brut heran. Neue Arbeiterinnen schlüpfen. Später entstehen Drohnen. Vielleicht werden junge Königinnen aufgezogen, vielleicht teilt sich das Volk.
Nicht jedes Volk übersteht einen Winter. Aber wo es weiterlebt, verbinden sich Leben, die einander nie begegnet sind.
Keine einzelne Biene kennt den ganzen Plan. Aus Geruch, Berührung, Nahrung, Wärme und tausend kleinen Handlungen entsteht dennoch ein gemeinsames Leben.
Die einzelne Biene vergeht.
Das Volk lebt weiter.
Wie die Gemeinschaft den Winter überdauert
Honigbienen überwintern als Volk. Winterbienen bilden mit der Königin eine Wintertraube, erzeugen Muskelwärme und nutzen Honigvorräte. Sie bewegen sich im Verlauf des Winters zu erreichbarem Futter. Bei vorhandener Brut ist eine besonders warme Zone nötig.
Die Brutpause ist nicht überall gleich lang. Klima, Wetter, Versorgung und Volkszustand beeinflussen, wann Brut gepflegt wird. Die Erzählung vom Frühling vereinfacht den Jahreslauf; die Königin beginnt nicht überall erst an einem festen Frühlingstag erneut zu legen.
Vorräte, gesunde Winterbienen und die Kontrolle von Parasiten sind für das Überleben wichtig. Das Volk erneuert sich durch neue Tiere und kann sich durch Schwärme vermehren. Diese Kontinuität ist der biologische Zusammenhang hinter dem Titel „Drei Leben. Ein Volk.“
Über diese Geschichte
Bienen beobachten.
Staunen weitergeben.
Philipp Ballier betreibt gemeinsam mit seinem Sohn Johannes eine Hobbyimkerei in Kassel. Aus der Nähe zu den Völkern entstand diese Geschichte: drei Lebenswege, die sich erst gemeinsam verstehen lassen.
Die Ich-Stimmen sind literarisch. Die biologischen Hintergründe erzählen von der Westlichen Honigbiene und unterscheiden typische Abläufe von Ausnahmen.
Johannes & Philipp kennenlernen ↗Quellen & weiterführende Informationen
Auswahl der Fachquellen für Entwicklung, Arbeitsteilung, Ernährung, Paarung und das Zusammenleben. Redaktioneller Prüfstand: 13. Oktober 2026.
- Washington State University: Honey Bees and Other PollinatorsUniversitäre Einführung: typische Entwicklung vom Ei bis zum erwachsenen Tier – etwa 16 Tage für Königinnen, 21 für Arbeiterinnen und 24 für Drohnen.
- LAVES, Institut für Bienenkunde Celle: Bienenbiologie – eine EinführungGrundlagen zu Waben, Drüsen, Lebensdauer, Jahreslauf und Schwärmen. Ältere vereinfachende Aussagen zu Verwandtschaft und Larvenkost wurden mit neueren Arbeiten abgeglichen.
- Johnson (2010): Division of labor in honeybeesFachübersicht zur altersabhängigen, flexiblen Arbeitsteilung und zur Bedeutung von Physiologie, sozialer Umgebung und Bedarf des Volkes.
- Slater, Yocum & Bowsher (2020): Diet quantity influences caste determination in honeybeesExperimentelle Larvenaufzucht zeigt den wichtigen Einfluss der Futtermenge auf die Entwicklung zur Königin; ein einzelner Inhaltsstoff erklärt die Kastenentwicklung nicht.
- Klein et al. (2010): Sleep deprivation impairs precision of waggle dance signaling in honey beesHonigbienen schlafen. Schlafentzug verringerte im Experiment die Genauigkeit der Richtungsangaben in ihren Schwänzeltänzen.
- North Carolina State University: The Honey Bee Dance LanguageUniversitäre Erklärung der Tanzkommunikation: Richtung, Entfernung, Bezug zum Sonnenstand und Anwerbung weiterer Bienen.
- Brutscher et al. (2019): Putative Drone Copulation Factors Regulating Honey Bee Queen Reproduction and HealthFachübersicht zu Mehrfachpaarung, Spermienübertragung und Speicherung sowie den Veränderungen der Königin nach der Begattung und dem Tod des Drohns.
- Penn State University: Honey Bee Genetics BasicsHaploide Drohnen, diploide Weibchen, genetische Neukombination bei der Eibildung, weitgehend gleiche Spermien eines Drohns und diploide männliche Ausnahmen.
- Woodgate et al. (2021): Harmonic radar tracking reveals that honeybee drones navigate between multiple aerial leksRadarverfolgung zeigt wiederkehrende Luftsammelplätze, gemeinsame Flugwege und Besuche mehrerer Sammelplätze innerhalb eines Drohnenfluges.
- Free (1957): The food of adult drone honeybeesBeobachtungen zur Versorgung junger Drohnen durch Arbeiterinnen und zur späteren eigenen Aufnahme von Honig aus Wabenzellen.
- Richardson et al. (2024): Pheromone relay networks in the honeybeeAutomatische Verhaltensbeobachtung und Modellierung erklären, wie Arbeiterinnen das Anwesenheitssignal der Königin über Kontakte im Volk verteilen.
- Seeley et al. (2012): Stop signals provide cross inhibition in collective decision-making by honeybee swarmsPrimärstudie zur gemeinsamen Nistplatzwahl: Kundschafterinnen tauschen Informationen aus und beeinflussen einander ohne zentrale Führung.
- Koeniger (1970): Über die Fähigkeit der Bienenkönigin, zwischen Arbeiterinnen- und Drohnenzellen zu unterscheidenPrimärarbeit zur Zellprüfung mit den Vorderbeinen: Die Wahrnehmung der Drohnenzelle beeinflusst, ob die Königin ein Ei befruchtet.
- Penn State University: An Introduction to Queen Honey Bee DevelopmentSaisonale Leistungsspitze gesunder Königinnen: über 2.000 Eier am Tag, deren Gesamtmasse das eigene Körpergewicht übersteigt.
- Gilley & Tarpy (2005): Three mechanisms of queen elimination in swarming honey bee coloniesPrimärarbeit zu Tötung vor dem Schlupf, Kämpfen zwischen Königinnen und Auszug mit einem Nachschwarm; Arbeiterinnen beeinflussen den Ablauf.