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Verborgene Nistplätze

Unter unseren Füßen: Wildbienen im Boden

Ein winziges Loch im Gartenweg, daneben ein Häufchen Erde. Dann landet eine Biene, verschwindet im Boden und lässt die Oberfläche wieder still zurück. Unter unseren Füßen liegt ein Lebensraum, den wir leicht übersehen. Viele Wildbienen brauchen keine Röhrchen und keine gebohrten Holzblöcke. Sie brauchen einen Boden, in dem sie bauen können – und der lange genug ungestört bleibt, damit aus einem Ei die nächste Biene wird.

Eine Weiden-Sandbiene trägt gelben Pollen in ihren Nesteingang im Boden.
Eine Weiden-Sandbiene (Andrena vaga) mit Pollen am Bodennest. Das Foto zeigt einen Teil des Tieres am Eingang. Foto: Aiwok · CC BY-SA 3.0. Bildnachweis

Ein Zuhause mit unscheinbarem Eingang

Der größte Teil der heimischen nestbauenden Wildbienenarten legt seine Nester im Erdboden an. Dazu gehören viele Sand-, Furchen- und Schmalbienen. Manche Nesteingänge fallen durch kleine Auswurfhügel auf, andere bleiben zwischen Gräsern oder in einer Böschung verborgen. Ein Holzblock mit Bohrlöchern bietet diesen Arten keinen Ersatz. Ihre Bauweise beginnt mit dem Graben.

Was wir an der Oberfläche sehen, ist nur der Zugang. Je nach Art führen darunter unterschiedlich tiefe Gänge zu einzelnen Brutzellen oder zu verzweigten Anlagen. Ein Loch lässt sich allerdings nicht allein nach seinem Aussehen sicher einer Wildbiene zuordnen: Auch andere Insekten bauen im Boden. Erst wiederholte Beobachtungen der ein- und ausfliegenden Tiere ergeben ein klareres Bild. Dafür genügt es, ruhig neben der Fläche zu warten.

Sand, Lehm und die Frage der passenden Wand

Die Bezeichnung Erdnister verdeckt sehr unterschiedliche Ansprüche. Einige Arten brauchen lockeren Sand, andere einen stärker gebundenen Boden, Löss oder Lehm. Auch die Lage zählt: Eine ebene Fläche, ein geneigter Hang und eine senkrechte Abbruchkante sind verschiedene Angebote. Manche Bienen bevorzugen offene Stellen, andere nisten auch zwischen Pflanzen oder an lichten Waldrändern.

Der Boden muss sich bearbeiten lassen und zugleich die jeweilige Bauweise ermöglichen. Korngröße, Zusammenhalt und Feuchtigkeit beeinflussen seine Eignung. Deshalb lässt sich aus einem guten Nistplatz nicht ohne Weiteres ein allgemeines Rezept ableiten. Eine Biene, die in einer Lehmwand baut, benötigt etwas anderes als eine Bewohnerin loser Sandflächen. Der eigene Garten ist hier ein Ausschnitt einer gewachsenen Landschaft mit ihrer jeweiligen Bienenfauna, kein beliebig austauschbarer Untergrund.

Für ein kleines Leben wird vorgesorgt

Bei solitär lebenden Arten übernimmt das Weibchen den Nestbau und die Versorgung der Nachkommen selbst. Es richtet Brutzellen ein, trägt Pollen und Nektar ein und legt ein Ei zum Nahrungsvorrat. Dieser Proviant begleitet die spätere Larve durch ihre Wachstumszeit. Aus der Blüte wird so unter der Erde ein Vorrat für die nächste Generation.

Wie Zellen angeordnet und ausgekleidet werden, ist artspezifisch. Auch die Entwicklungsdauer folgt keinem einzigen Kalender. Zahlreiche Arten erscheinen nur während weniger Wochen; manche haben mehrere Generationen im Jahr. Wenn an einem Eingang kein Flugbetrieb mehr zu sehen ist, bedeutet das daher nicht, dass der Boden leer wäre. Ein großer Teil des Bienenlebens läuft verborgen ab. Die Abwesenheit fliegender Tiere ist kein verlässliches Zeichen für einen verlassenen Nistplatz.

Viele Nachbarinnen ergeben noch kein Volk

Auf einer passenden Fläche können zahlreiche solitäre Weibchen dicht nebeneinander nisten. Solche Nestansammlungen heißen Aggregationen. Jede versorgt dabei ihre eigenen Nachkommen. Das lebhafte Kommen und Gehen wirkt von außen gemeinschaftlich, ist aber nicht mit einem Honigbienenvolk gleichzusetzen. Die Ansammlung entsteht, weil viele Tiere dieselbe geeignete Stelle nutzen.

Ein anschauliches Beispiel ist die Weiden-Sandbiene Andrena vaga. Sie erscheint im Frühjahr, sammelt den Pollen von Weiden und kann auf sandigen Flächen große Nestansammlungen bilden. Bodenbewohnende Wildbienen leben allerdings nicht alle solitär: Unter Furchen- und Schmalbienen gibt es auch soziale Arten. Aus vielen Löchern lässt sich deshalb weder eine gemeinsame Königin noch grundsätzlich völlige Unabhängigkeit ableiten. Für solche Aussagen muss man die Bewohnerinnen kennen.

Weiße Frühlingsblüten hängen zwischen grünen Blättern über dem Boden.
Frühe Blüten aus unserem Bildarchiv. Bodenbewohnende Arten brauchen passende Nahrung zur jeweiligen Flugzeit; spezialisierte Arten benötigen ihre eigenen Pollenpflanzen. Foto: Bertram Reich. Bildnachweis

Der beste Anfang ist ein vorhandener Nistplatz

Eine bereits bewohnte Stelle ist besonders wertvoll. Sie zeigt, dass Boden, Lage und Umgebung zusammenpassen. Wird sie gepflastert, umgegraben oder mit einer dicken Schicht Erde, Mulch oder Schotter bedeckt, verschwinden Zugang und Lebensraum. Auch tiefe Bodenarbeiten können die verborgene Brut treffen. Die Pflege sollte deshalb zuerst vom tatsächlichen Nistplatz ausgehen.

Hilfreich ist es, solche Bereiche zu kennzeichnen und ihre Nutzung mit allen abzusprechen, die den Garten pflegen. Bewuchs lässt sich behutsam begrenzen, ohne die Fläche regelmäßig tief aufzulockern. Wo bereits Nester liegen, sollten kräftige Wurzeln nicht unbedacht herausgerissen werden. Und weil sich verschiedene Arten einen Ort zu verschiedenen Jahreszeiten teilen können, gibt es keinen allgemein sicheren Monat für eine gründliche Umgestaltung. Erhalten ist oft wirksamer als später neu anlegen.

Ein Stück Boden gehört zur Blütenlandschaft

Zusätzliche offene Bodenstellen können sinnvoll sein, wenn sie dauerhaft bestehen bleiben und zur Umgebung passen. Ein pauschal angelegtes Sandbeet garantiert jedoch keine Besiedlung. Die vorhandenen Arten müssen das Substrat akzeptieren, den Ort erreichen und passende Blüten finden. In einem Sandgebiet kann schon das Offenhalten einer geeigneten Stelle helfen; in einer anderen Landschaft ist die örtliche Bodenstruktur der bessere Ausgangspunkt.

Ebenso wichtig ist Nahrung zur richtigen Zeit. Einer auf Weidenpollen spezialisierten Frühlingsbiene hilft ein später Sommerflor für die Brutversorgung wenig. Nistplatz und Blütenangebot gehören zusammen. Wer beides im Blick behält, entdeckt einen anderen Maßstab für einen schönen Garten: Eine kleine Lücke im Grün kann ein vollständiger Lebensraum sein. Und ein unscheinbares Loch erzählt von einer Zukunft, die gerade unter der Oberfläche vorbereitet wird.

Quellen & weiterführende Informationen

  1. Universität Hohenheim, Landesanstalt für Bienenkunde: Die Lebensweisen der Bienen DeutschlandsNestbau, unterschiedliche Sozialformen, Nistaggregate und jahreszeitliche Entwicklungszyklen.
  2. Paul Westrich: NistplatzwahlArtspezifische Ansprüche an Boden, Bewuchs, Hangneigung und Steilwände.
  3. Paul Westrich: Förderung von im Boden nistenden ArtenGrenzen pauschaler Sandbeete, Unterschiede der Substrate und Erhaltung bestehender Nestansammlungen.
  4. Bayerisches Landesamt für Umwelt und Universität Würzburg: Wildbienen in Dörfern – Nahrung, Nistplätze, Lebensräume (PDF)Insbesondere Seiten 25 und 33: verborgene Bodennester, Gefährdung durch Bodenarbeiten und langfristige Pflege.
  5. BUND Köln: Die Weiden-Sandbiene kommt mit dem FrühlingArtbeispiel Andrena vaga: Flugzeit, Bindung an Weidenpollen und solitäres Nisten in Ansammlungen.