Die Welt außerhalb des Bienenstocks
Die meisten heimischen Wildbienen leben einzeln. Ein Weibchen legt seine eigenen Brutzellen an, sammelt Nahrung für den Nachwuchs und verschließt das Nest. Es gibt keine große Arbeiterinnengemeinschaft, die später neue Nahrung bringt. Andere Arten leben gesellig oder sozial. Zu den Wildbienen gehören auch Hummeln, deren Völker im Jahresverlauf einen anderen Rhythmus haben als Honigbienenvölker.
„Wildbiene“ bezeichnet also keine einzelne Art. Körpergröße, Flugzeit, Nestbau und Blütenwahl unterscheiden sich erheblich. Manche Arten fallen durch dichte Behaarung auf; andere sind klein, dunkel und leicht zu übersehen. Wer nur nach dem vertrauten Bild einer Honigbiene sucht, übersieht einen großen Teil dieser Vielfalt.
Eine Blüte allein macht noch keinen Lebensraum
Für die Brut sammeln viele Wildbienen Pollen; Nektar liefert Energie. Einige Arten können Pollen von vielen Pflanzen nutzen, andere sind auf bestimmte Pflanzengruppen spezialisiert. Ein buntes Blumenbeet ist deshalb nicht automatisch für alle Arten geeignet. Heimische Wildpflanzen mit zugänglichen Blüten sind ein guter Ausgangspunkt. Besonders hilfreich ist ein Angebot, das sich über verschiedene Flugzeiten verteilt.
Nahrung und Nest müssen erreichbar zusammenliegen. Ein Weibchen fliegt wiederholt zwischen beiden hin und her. Geht der Nistplatz verloren, genügt die schöne Blühfläche nicht. Verschwindet die passende Pollenquelle, hilft umgekehrt das beste Nest nichts. Wildbienenschutz betrachtet deshalb immer den ganzen Lebensraum.
Boden, Stängel und Totholz
Sehr viele Wildbienen nisten im Boden. Offene, wenig gestörte Stellen können wertvoller sein als ein großes gekauftes „Insektenhotel“. Andere Arten nutzen vorhandene Hohlräume, markhaltige Pflanzenstängel, morsches Holz oder besondere Strukturen wie lehmige Wände. Welche davon gebraucht werden, hängt von der Art ab.
Wo es im Garten passt, lassen sich unversiegelte Bodenbereiche, alte Stängel und Totholz erhalten. Ein aufgeräumter Garten verliert häufig genau diese kleinen Strukturen. Belegte Niststellen sollten nicht aufgegraben oder geöffnet werden. Auch vertrocknete Stängel können noch eine nächste Generation beherbergen.
Eine kleine, sorgfältig gebaute Nisthilfe
Röhrennisthilfen unterstützen bestimmte Arten, die vorhandene Hohlräume besiedeln. Sie ersetzen keinen Lebensraumschutz, bieten aber einen wunderbaren Beobachtungsplatz. Geeignet sind sauber geschnittene Schilf- oder Bambusröhren mit geschlossenem Ende und glatten Eingängen. Bei Holz verwendet man trockenes, unbehandeltes Hartholz. Die Bohrungen werden seitlich in den Block gesetzt, nicht in die Schnittfläche mit den Jahresringen.
Unterschiedliche Innendurchmesser, beispielsweise drei bis acht Millimeter, geben verschiedenen Bewohnern eine Chance. Röhren sollten mindestens etwa zehn Zentimeter nutzbare Länge besitzen. Splitter, Risse und offene Rückseiten vermeiden. Zapfen, lose Holzwolle und dekorative Steinfüllungen sind keine brauchbaren Ersatz-Brutzellen.
Die Nisthilfe fest, sonnig und vor Schlagregen geschützt anbringen. Belegte Gänge bleiben geschlossen, auch im Winter. Eine Nisthilfe gehört nicht ins warme Wohnzimmer: Der jahreszeitliche Rhythmus der Brut soll erhalten bleiben.
Zuschauen ist oft die beste erste Hilfe
Ein Weibchen, das immer wieder dieselbe kleine Öffnung anfliegt, zeigt ein Stück seines Nestbaus. Beobachte mit Abstand, ohne den Eingang zu verdecken. Notiere Datum, Pflanze und Verhalten. Für eine sichere Artbestimmung braucht es oft gute Fotos und Erfahrung; eine gelb-schwarze Zeichnung allein genügt selten.
Der Gewinn liegt schon im genauen Hinsehen. Aus einer scheinbar leeren Sandstelle oder einem alten Pflanzenstängel wird ein Lebensort. Wer solche Orte erhält und mit passender Nahrung verbindet, schafft Möglichkeiten für mehr Arten als mit einem zusätzlichen Honigbienenkasten.