Von wespenartigen Vorfahren zur Pollennahrung
Bienen gehören zu den Hautflüglern und sind eng mit wespenartigen Insekten verwandt. Ihre Vorfahren versorgten die Brut mit tierischer Nahrung. In der frühen Bienenevolution trat Pollen als zentrale Nahrung für die Larven an diese Stelle. Nektar liefert Energie; Pollen stellt unter anderem Eiweiß für die Entwicklung bereit. Dieser Wechsel band die Versorgung des Nachwuchses eng an blühende Pflanzen.
Heute sieht man diese Verbindung in vielen Körpermerkmalen und Verhaltensweisen. Zahlreiche Bienen transportieren Pollen in besonderen Sammelstrukturen. Die genaue Bauweise variiert zwischen den Gruppen. Honigbienen sammeln ihn beispielsweise an den Hinterbeinen; andere Arten tragen ihn an einer Bauchbürste. Die Vielfalt passt nicht in ein einziges Bienenbild.
Eine Geschichte aus der Kreidezeit
Eine große Untersuchung aus dem Jahr 2023 verbindet genetische Daten und Fossilien. Ihre Rekonstruktion legt einen Ursprung der Bienen in der frühen Kreidezeit im westlichen Gondwana nahe, also im Bereich des heutigen Afrika und Südamerika vor deren Trennung. Die Forschenden verorten den Beginn dieser Entwicklung ungefähr vor 120 Millionen Jahren.
Solche Angaben sind Rekonstruktionen, keine direkt beobachteten Geburtsdaten. Fossilien liefern Mindestalter für bestimmte Gruppen; genetische Vergleiche und statistische Modelle helfen, weitere Verzweigungen zeitlich einzuordnen. Neue Funde und andere Modelle können Details verändern. Die heutige Honigbiene existierte zu dieser frühen Zeit noch nicht in ihrer heutigen Form.
Zwei Lebensgeschichten treffen aufeinander
Eine Biene besucht eine Blüte, um Nahrung zu gewinnen. Dabei kann Pollen an ihren Körper gelangen und zu einer anderen Blüte getragen werden. Für die Pflanze kann daraus Bestäubung entstehen. Blütenform, Duft, Farbe und die Erreichbarkeit des Nektars beeinflussen, welche Besucher eine Pflanze nutzen. Bienen unterscheiden sich wiederum in Körpergröße, Rüssellänge, Flugzeit und Sammelverhalten.
Das ist kein bewusst ausgehandelter Tausch. Über Generationen können Merkmale begünstigt werden, die unter den jeweiligen Bedingungen erfolgreich sind. Manche Beziehungen sind eng spezialisiert, andere offen für viele Besucher. Auch Fliegen, Käfer, Schmetterlinge und weitere Tiere bestäuben Pflanzen. Die Blütenwelt gehört nicht den Bienen allein.
Ein Volk ist nur eine mögliche Lebensform
Die meisten Bienenarten leben nicht wie Honigbienen. Bei solitären Arten übernimmt ein Weibchen Nestbau und Versorgung für die eigene Brut. Daneben gibt es gemeinschaftliche und soziale Formen. Hoch entwickelte Staaten besitzen eine Fortpflanzungsarbeitsteilung: Königinnen und Arbeiterinnen unterscheiden sich in ihren Aufgaben, und mehrere Generationen leben zusammen.
Die Evolution sozialer Lebensweisen ist ein eigenes Forschungsfeld. Genetische Stammbäume zeigen, dass innerhalb der Bienen unterschiedliche Wege zu sozialen Organisationsformen entstanden. Ihre genaue Zahl und Abfolge hängen teilweise davon ab, welche Gruppen und Merkmale untersucht werden. Honigbienen, Hummeln und stachellose Bienen lassen sich daher nicht einfach als Stufen einer Leiter ordnen.
Keine Leiter zur „vollkommenen“ Biene
Evolution hat kein vorgegebenes Endziel. Eine Sandbiene, die allein ihr Nest versorgt, ist keine unvollständige Honigbiene. Ihre Lebensweise kann unter ihren Bedingungen erfolgreich sein. Ein großes Volk kann Nahrungsvorräte gemeinsam nutzen und Wärme erzeugen; zugleich braucht es eine Versorgung, die zu seiner Größe passt.
Diese Sicht verändert auch den Naturschutz. Wer nur den Bienenstock schützt, bewahrt einen Teil der Bienenwelt. Andere Arten brauchen offene Böden, bestimmte Pflanzen oder ungestörte Stängel. Die lange Geschichte der Bienen ist in ihrer heutigen Vielfalt noch sichtbar – auf einer Wabe ebenso wie an einer unscheinbaren Blüte am Weg.
Quellen & weiterführende Informationen
- Almeida et al. (2023): The evolutionary history of bees in time and space (Volltext)
- Danforth et al.: The history of early bee diversification
- Cardinal & Danforth: The Antiquity and Evolutionary History of Social Behavior in Bees
- Woodard et al.: Genes involved in convergent evolution of eusociality in bees
- Cardinal & Danforth (2013): Bees diversified in the age of eudicots