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Krabbenspinnen & Bienen

Die stille Jägerin auf der Blüte

Eine Biene hängt an einer weißen Blüte. Erst beim zweiten Hinsehen werden die hellen Beine sichtbar, die sie festhalten. Bertram Reichs Nahaufnahmen zeigen eine Krabbenspinne mit ihrer Beute: Wo Bienen Nahrung finden, warten auch andere Tiere auf ihre Mahlzeit.

Eine helle Krabbenspinne hält eine Honigbiene auf einer weißen Blüte fest.
Erst auf den zweiten Blick zu sehen: Eine helle Krabbenspinne hält die Biene fest. Foto: Bertram Reich. Bildnachweis

Was die Bilder zeigen

Die helle Spinne hält eine Honigbiene fest. Ihre kräftigen, seitlich ausgerichteten Vorderbeine passen zu den Krabbenspinnen, der Familie Thomisidae. Die genaue Art lässt sich aus den Aufnahmen nicht sicher bestimmen.

Was zunächst wie ein gewöhnlicher Blütenbesuch aussieht, ist eine Begegnung zwischen Jägerin und Beute. Die Fotos zeigen das Festhalten, nicht den vorausgegangenen Angriff. Die fast weißen Beine der Spinne verschwinden für unser Auge zwischen den Blütenblättern.

Die hellen Vorderbeine einer Krabbenspinne halten eine Honigbiene am Kopfbereich.
Die Nahansicht zeigt die hellen Spinnenbeine am Kopf der Honigbiene. Die genaue Spinnenart bleibt offen. Foto: Bertram Reich. Bildnachweis

Lauern mitten im Blütenbetrieb

Blütenbewohnende Krabbenspinnen jagen ohne Fangnetz. Sie warten zwischen Blütenblättern oder am Blütenstand, bis ein Insekt nahe genug kommt. Dann packen die Vorderbeine zu. Ein Giftbiss hilft, die Beute zu überwältigen – auch Tiere, die größer als die Spinne sind.

Neben Bienen können Fliegen, Käfer und Schmetterlinge auf ihrem Speiseplan stehen. Die Spinne verdaut weiche Gewebe vor und nimmt die verflüssigte Nahrung auf. Eine weitgehend erhaltene äußere Hülle kann zurückbleiben. Die Blüte bietet der Jägerin damit einen Platz, an dem mögliche Beute immer wieder vorbeikommt.

Tarnung braucht Zeit

Bei manchen Arten können erwachsene Weibchen zwischen weißer und gelber Körperfarbe wechseln. Ein heimisches Beispiel ist die Veränderliche Krabbenspinne, Misumena vatia. Der Wechsel dauert Tage. Nicht jede Krabbenspinne besitzt diese Fähigkeit, und eine helle Färbung verrät noch keinen sicheren Artnamen.

Ob eine passende Farbe auch mehr Beute bringt, ist eine andere Frage. In einem Freilandversuch fingen farblich zur Blüte passende Misumena vatia nicht mehr als anders gefärbte Tiere. Verschiedene Blütenbesucher reagierten zudem unterschiedlich auf die Spinnen. Was für uns gut verborgen wirkt, muss für eine Biene nicht ebenso aussehen.

Auch Bienen lernen die Gefahr kennen

In Versuchen mit künstlichen Blüten lernten Hummeln, simulierte Spinnenangriffe zu vermeiden. Nach Erfahrungen mit schwer erkennbaren Räubern prüften sie Blüten länger und lehnten häufiger auch sichere Angebote ab. Vorsicht kostete Zeit und manchmal eine Mahlzeit.

Bei Untersuchungen an einer australischen Krabbenspinnenart spielte auch Bewegung eine Rolle: Bewegte sich die Spinne beim Anflug, brachen Honigbienen den Besuch eher ab. Stillhalten gehört deshalb zur Geschichte der Lauerjagd ebenso wie die Körperfarbe. Die Reaktion der Beute lässt sich nicht allein aus einem Foto ablesen.

Eine Blüte, mehrere Lebenswege

Die Gefahr kann das Besuchsverhalten über den einzelnen Jagdplatz hinaus verändern. In Hummelversuchen wurden nach simulierten Angriffen auch sichere, ähnlich aussehende Kunstblüten gemieden. So hängen die Wege von Räubern, Bestäubern und Pflanzen zusammen.

Wer eine Krabbenspinne entdeckt, kann aus etwas Abstand beobachten: Wo sitzt sie? Wie hält sie die Vorderbeine? Bleibt sie beim Anflug anderer Insekten still? Ein Foto von oben und eines von der Seite helfen später bei der Bestimmung. Dafür braucht es keine versetzten Tiere oder hingehaltenen Bienen.

Auf derselben Blüte, die eine Sammlerin ernährt, ernährt sich auch ihre Jägerin. Bertrams Bilder machen diesen kleinen, leicht übersehenen Ausschnitt des Nahrungsnetzes sichtbar.

Quellen & weiterführende Informationen

  1. Australian Museum: Flower SpidersMerkmale der Familie Thomisidae, Lauerjagd, Beutefang und Nahrungsaufnahme; Beispiele aus Australien.
  2. Nationalpark Donau-Auen: Veränderliche KrabbenspinneBiologie von Misumena vatia, Lauerjagd und langsamer Farbwechsel erwachsener Weibchen.
  3. Brechbühl, Casas & Bacher (2010): Ineffective crypsis in a crab spider: a prey community perspectiveFreilandversuch mit Misumena vatia: Farbähnlichkeit, Besuchergruppen und Fangerfolg.
  4. Ings & Chittka (2008): Speed-Accuracy Tradeoffs and False Alarms in Bee Responses to Cryptic Predators (PDF)Versuche mit künstlichen Blüten: längere Prüfung und häufigere Zurückweisung auch sicherer Angebote nach simulierten Angriffen.
  5. Llandres & Rodríguez-Gironés (2011): Spider Movement, UV Reflectance and Size, but Not Spider Crypsis, Affect the Response of Honeybees to Australian Crab SpidersFreilanduntersuchungen mit Thomisus spectabilis und Honigbienen; Bedeutung von Bewegung und weiteren sichtbaren Eigenschaften.