Gelb und Schwarz sind kein Ausweis
Eine Honigbiene muss nicht leuchtend gelb gestreift sein. Viele wirken eher braun oder grau. Unter den Wildbienen gibt es schwarze, rötlich behaarte und metallisch schimmernde Tiere. Manche sind kaum größer als ein Reiskorn, andere fallen durch einen kräftigen Körper auf. Die vertraute Zeichnung einer Bilderbuchbiene bildet diese Vielfalt nur unzureichend ab.
Umgekehrt tragen viele Schwebfliegen Streifen oder Flecken, die an Wespen erinnern. Andere wirken mit ihrem dichten Pelz wie kleine Hummeln. Schwebfliegen besitzen keinen Giftstachel und stechen Menschen nicht. Diese Ähnlichkeit gehört zur Mimikry: Eine harmlose Nachahmerin kann vom Warnbild eines wehrhaften Vorbilds profitieren. Die Tarnung ist so überzeugend, dass sie auch uns regelmäßig täuscht. Eine Farbe liefert deshalb einen Hinweis, aber noch keine verlässliche Zuordnung.
Zwei Flügel oder vier?
Schwebfliegen gehören zu den Zweiflüglern. Sie besitzen ein Paar voll entwickelter Flugflügel. Bienen und Wespen gehören dagegen zu den Hautflüglern und tragen zwei Flügelpaare: vorn größere, dahinter kleinere Flügel. Diese Unterscheidung ist für den Einstieg besonders wertvoll, weil sie über unterschiedliche Farben und Körperformen hinweg trägt.
Am lebenden Tier ist das Zählen allerdings knifflig. Die Hinterflügel einer Biene können hinter den Vorderflügeln liegen und sind dann kaum zu erkennen. Vier vorhandene Flügel sehen auf einem flüchtigen Foto schnell wie zwei aus. Ein scharfes Bild von oben oder schräg von der Seite hilft. Das Tier muss dafür weder gefangen noch zum Ausbreiten seiner Flügel gebracht werden.
Fühler und Augen erzählen weiter
Bei vielen Schwebfliegen fallen die großen Facettenaugen auf, die einen erheblichen Teil des Kopfes einnehmen. Die Fühler sind häufig kurz und wirken im Vergleich zu denen einer Biene gedrungen. Bienen und die gelb-schwarzen Faltenwespen unserer Gärten haben gewöhnlich längere, deutlich gegliederte Fühler. Zusammen mit den Flügeln ergibt sich daraus ein brauchbares erstes Bild.
Auch hier zählt die Kombination. Es gibt Schwebfliegen mit auffällig längeren Fühlern, und männliche Honigbienen besitzen besonders große Augen. Ein einzelnes Merkmal darf die übrigen Beobachtungen deshalb nicht verdrängen. Wer zuerst „kurze Fühler und sehr große Augen“ erkennt, kann als Nächstes gezielt nach dem Flügelpaar suchen. Bestimmen wird so zu einer Folge kleiner überprüfbarer Beobachtungen.
Wo der Blütenstaub mitreist
Viele weibliche Bienen sammeln Pollen als Nahrung für ihren Nachwuchs. Honigbienen und zahlreiche Hummeln tragen ihn als auffällige Pakete an den Hinterbeinen. Andere Wildbienen transportieren ihn locker in Haarbürsten an den Beinen oder auf der Unterseite des Hinterleibs. Ein gefüllter Sammelapparat ist ein starker Hinweis auf eine Biene.
Fehlende Pollenpakete beweisen das Gegenteil jedoch nicht. Ein Tier kann gerade erst losgeflogen sein oder Nektar sammeln. Männchen versorgen keine eigene Brut mit Pollen, und Kuckucksbienen überlassen die Vorratssuche ihren Wirten. Außerdem kann loser Blütenstaub auch auf einer Wespe oder Schwebfliege haften. Bedeckt zu sein ist etwas anderes, als Pollen gezielt für das Nest zu transportieren.

Drei Gäste, unterschiedliche Aufgaben
Viele Wespen wirken im Vergleich zu Bienen glatter und schlanker. Die bekannte schmale Taille allein ist trotzdem kein sicherer Beweis: Auch Bienen besitzen eine Einschnürung, die unter Haaren oft weniger auffällt. Zahlreiche Wespen tragen tierische Beute für ihre Larven zusammen. Die erwachsenen Tiere besuchen zugleich Blüten und nutzen deren zuckerhaltige Nahrung. Auch Wespen können dabei Pollen übertragen.
Erwachsene Schwebfliegen finden ebenfalls Nahrung an Blüten und tragen zur Bestäubung bei. Ihre Larven leben je nach Art ganz anders: Viele fressen Blattläuse, andere nutzen organisches Material oder Pflanzengewebe. Eine Wespe ist damit nicht bloß eine schlecht gelaunte Biene, eine Schwebfliege keine bedeutungslose Kopie. Hinter der ähnlichen Silhouette liegen unterschiedliche Lebensgeschichten.
Ein gutes Foto darf eine Frage offenlassen
Für eine Bestimmung lohnt sich eine kleine Bildfolge: der ganze Körper von oben, eine Seitenansicht und, wenn möglich, der Kopf. Blüte, Fundort, Datum und eine ungefähre Größenangabe ergänzen das Bild. Aufnahmen mit erkennbarem Hinterleib und Flügeln sind hilfreicher als ein sehr enger Ausschnitt, der entscheidende Merkmale abschneidet. Vergrößern kann man später.
Das auffällige Schweben ist ein zusätzlicher Hinweis auf viele Schwebfliegen, allein aber kein Beweis; auch manche Bienen können in der Luft stehen. Die sichere Artbestimmung kann schließlich an winzigen Details scheitern, die ein Gartenfoto nicht zeigt. Dann ist „Schwebfliege“ oder „Wildbiene, Art unbestimmt“ eine ehrliche und wertvolle Beobachtung. Das Foto bleibt richtig beschriftet, und die nächste Begegnung kann die Frage weiterführen.
Quellen & weiterführende Informationen
- UK Pollinator Monitoring Scheme: FIT Count insect identification guide (PDF)Vergleich von Flügelpaaren, Augen und Fühlern; Grenzen der Bestimmung lebender Blütenbesucher, einschließlich Schwebfliegen mit längeren Fühlern.
- University of Minnesota Extension: Basic Bee ID (PDF)Grundmerkmale von Bienen, Wespen und Fliegen; Pollenbürsten und Körpermerkmale.
- Utah State University Extension: Beginner’s Guide to Common Native BeesVielfalt der Bienen, Sammelapparate weiblicher Tiere und Unterschiede zu Fliegen und Wespen.
- Royal Horticultural Society: HoverfliesMimikry, fehlender Giftstachel, Blütenbesuch und unterschiedliche Lebensweisen der Schwebfliegenlarven.
- Natural History Museum: Seven insect heroes of pollinationPollenbeförderung durch Wildbienen, Blütenbesuche und Bestäubungsbeiträge von Wespen.
- Natural History Museum: Meet the bee-flySchwebender Flug ist kein ausschließliches Fliegenmerkmal; auch die Frühlings-Pelzbiene kann schweben.
